Kratzer im fremden Auto! Was, wenn mein Kind nicht aufgepasst hat?

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7 Tipps, um Unfälle/Ärger zu vermeiden.

Kinder dürfen spielen, und zwar nicht nur im Sitzen. Im Ernst, sie dürfen toben und Skateboard fahren und rennen. Leider kann es dabei auch mal zu einer Kollision kommen. Was tun, wenn mein Kind zum Beispiel das Auto des Nachbarn bei Spielen zerschrammt?

Vorab: Kinder haften erst, wenn sie ein gewisses Alter erreicht haben. Auch die Umstände sind maßgeblich. Andersherum heißt das auch, dass Eltern nicht automatisch für ihre Kinder haften, sondern nur dann, wenn sie ihre Aufsichtspflicht verletzt haben. Kinder unter sieben Jahren haften selbst generell nicht. Wird ein Schaden verursacht, ohne dass die Eltern ihre Pflichten verletzt haben, hat der Geschädigte also keinen Anspruch auf Kostenerstattung. Das kann bitter sein. Und auf beiden Seiten zu Unverständnis führen, vor allem, wenn die Haftpflichtversicherung nicht zahlt.

Wie aber sieht das nun in unserem konkreten Fall aus? Die wichtigste Frage, die sich hier stellt: Konnte das minderjährige Kind (falls es überhaupt älter als sieben Jahre ist) die Situation entsprechend einschätzen? Das heißt, Vieles hängt von der Einsichtsfähigkeit des Kindes ab. War es in der Lage, die Gefahr selbst zu erkennen? (Als Faustregel gilt: je älter das Kind, desto eher haftet es selbst – nicht seine Eltern – wenn die oben genannten Bedingungen greifen. Kinder unter sieben Jahre sind aber eben ausgenommen.) Da das Kind jedoch sowieso selten die Mittel hat, für den Schaden aufzukommen, kann (muss nicht!) es dennoch zur Begleichung des Schadens auch noch viele Jahre lang herangezogen werden – frühestens, wenn es ein eigenes Einkommen hat. In unserem Fall ist das sehr unwahrscheinlich; es sei denn, das (ältere) Kind hat das Auto mutwillig zerschrammt.

Tipp 1)
Achtung: Eine private Haftpflichtversicherung also wird nicht unbedingt wie erwartet zahlen, wenn weder Eltern noch Kind verantwortlich gemacht werden können. Unschön, wenn man das dem Nachbarn erklären muss. Eine blöde Situation: Sie müssen die Nachricht überbringen, dass Ihre Versicherung die Kosten für die neue Auto-Lackierung nicht übernimmt. Ihr Nachbar bleibt auf den Kosten sitzen. Um das zu vermeiden, kann man im Vorfeld unter Umständen – je nach Anbieter – einen weitergehenden Versicherungsschutz für Kind und Eltern vereinbaren. (Geprüft werden sollte, ob die Versicherung auch für von kleinen Kindern verursachten Schäden eintritt.)

Tipp 2)
Eine Familienhaftpflichtversicherung kann also durchaus sinnvoll sein – und im Fall der Fälle helfen.

Tipp 3)
Was Eltern im Rahmen ihrer Aufsichtspflichten tun müssen, hängt vom Alter des Kindes, der konkreten Situation und damit immer vom Einzelfall ab. Unbedingt schlau machen!

Tipp 4)
Aufsichtspflichten ernst nehmen: Das ist natürlich ohnehin wichtig. Damit ist keine „Rundum-Überwachung“ der Kinder gemeint – sie sollen und müssen sich ja auch frei entfalten dürfen – sondern der verantwortungsvolle Umgang mit den Kindern. Als grobe Richtlinie kann man Folgendes betrachten: Ab vier Jahren dürfen Kinder im Freien spielen (auf entsprechendem Gelände, wie einem Spielplatz oder eben auf einer verkehrsarmen Straße auf dem Bürgersteig) – und zwar ohne ständige Überwachung. In diesem Fall müssen sie dabei nur gelegentlich von den Erwachsenen beobachtet werden; alle 15 bis 30 min. gilt i.d.R. als ausreichend. (Aber bitte im eigenen Interesse Vorsicht walten lassen: Überall, wo Autos fahren kann es (mit kleinen Kindern) zu bösen Unfällen kommen!)

Tipp 5)
Ältere Kinder entsprechend instruieren und: „Vertrauen ist gut. Kontrolle ist besser.“ Kinder zwischen sieben und acht Jahren sind nach gängiger Auffassung schon in der Lage, in „geschützten Freiräumen“ gut auf sich selbst aufzupassen. Hier sei eine regelmäßige Kontrolle in Abständen nicht nötig. Sie können draußen theoretisch ohne Aufsicht spielen. Die Eltern müssen sich lediglich im Groben hin und wieder einen Überblick über deren Verbleib und Treiben holen. Schön und gut, aber immer wieder mal rausgehen und regelmäßig einen Blick riskieren, kann ja auch nicht schaden …

Tipp 6)
„Vorsicht ist besser als Nachsicht.“ Kinder nur allein Fahrrad, Roller, etc. fahren lassen, wenn sie schon sicher darauf fahren können. Und möglichst nicht in der Nähe von Nachbars Auto … Zudem sollten die Kinder auf mögliche Gefahren hingewiesen werden.

Tipp 7)
Für gute Nachbarschaft sorgen: Es ist auf jeden Fall immer gut investiert, für „gute Stimmung“ zu sorgen. Wer wohlwollend mit seinen Nachbarn umgeht, kann im Zweifelsfall auch eher auf etwas Verständnis oder eine glimpfliche Einigung setzen, als wenn er mit der Nachbarschaft im Dauerclinch liegt.

Ergo:
Zerkratzt ein sechsjähriges Kind ein parkendes Autos mit Steinen, werden die Eltern höchstwahrscheinlich verantwortlich gemacht. Zumindest dann, wenn sie ihre Kinder im Vorschulalter nicht entsprechend alle Viertel- bis halbe Stunde im Blick hatten bzw. so weit entfernt waren, dass sie sie nicht daran hindern konnten, das Auto zu zerkratzen. Also: Versicherungsschutz prüfen und an die eigene Aufsichtspflicht denken.

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