Höheres Unfallrisiko bei Senioren? KFZ-Versicherung erhöhen die Beiträge

Viele Senioren kennen das Problem vermutlich nur zu gut: Die KFZ-Versicherung wird plötzlich teurer und der Grund dafür – das Alter – ist nur im Kleingedruckten des Vertrages zu lesen. Das Alter spielt bei vielen Versicherungsgesellschaften eine wichtige Rolle. Nicht nur bei der Berufsunfähigkeits- oder der privaten Krankenversicherung ist das Alter ausschlaggebend. Auch bei der KFZ-Versicherung spielt sie eine wichtige Rolle. Der Grund: Das Unfallrisiko bei Senioren ist höher als bei anderen Altersgruppen.
Doch stimmt diese Aussage so? Ist das Unfallrisiko bei Senioren wirklich höher als bei Verkehrsteilnehmern aus anderen Gruppen?

Unfallrisiko bei Senioren
Einige KFZ-Versicherer erhöhen die Beiträge ihrer älteren Versicherungsnehmer, weil sie ein höheres Unfallrisiko vermuten.
Foto: Adobe Stock, Patrizia Tilly

Die Expertenmeinungen gehen hier stark auseinander. Während die einen Experten der Meinung sind, dass Senioren durchaus ein höheres Risiko darstellen, halten andere diese Aussage für überzogen. Das Statistische Bundesamt hat im Jahr 2014 Daten bezüglich der Beteiligten an Verkehrsunfällen mit Personenschaden erhoben und festgestellt, dass die meisten Verkehrsunfälle von Autofahrern im Alter von 45-55 Jahren verursacht werden. Fahrer im Seniorenalter verursachen weitaus weniger Unfälle, liegen aber immer noch über den jungen Fahrern und Fahranfängern. Die These, dass Senioren ein höheres Unfallrisiko haben, lässt sich – betrachtet man die Erhebung des Statistischen Bundesamtes – nicht vollends bestätigen. Es besteht zwar ein höheres Unfallrisiko als bei jungen Fahrern, vorherige Generationen haben allerdings ein viel höheres Unfallpotential.

Viele Versicherungen erhöhen dennoch für ihre älteren Versicherten die Beiträge mit dem Argument des höheren Unfallrisikos. Sind diese Beitragsanpassungen im Alter gerechtfertigt?

Höhere KFZ-Beiträge für Senioren: Gerechtfertigte Beitragsanpassung?

Es ist kein Geheimnis: Beim Altern verändert sich auch der Körper und vielleicht wird das Sehen und Hören schwieriger. Natürlich darf im Rahmen der Altersbeschwerden nicht von einer Verallgemeinerung gesprochen werden. Nicht jeder der Generation 65plus bekommt plötzlich Probleme mit Augen und Ohren. Es kann aber vorkommen, dass fürs Autofahren wichtige Körperfunktionen nicht mehr vollständig zur Verfügung stehen und somit das Fahren an sich erschwert wird. Doch rechtfertigen solche Einschränkungen sowie eine möglicherweise verlangsamte Reaktionsgeschwindigkeit die Beitragsanpassung der KFZ-Versicherung?

Betroffene sehen das Problem nicht nur in der Betrachtung des höheren Unfallrisikos bei Senioren. Ihnen macht vor allem die fehlende Aufklärung sorgen: Wenn sich plötzlich die Beiträge für die KFZ-Versicherung ändern und das Alter der ausschlaggebende Punkt ist, sind oft viele Senioren überrascht. Die vereinbarte Erhöhung der Beiträge, die in der Regel im Vertrag festgehalten sind, wurden mit den Betroffenen bei Abschluss der Versicherung nicht besprochen, sind aber rechtlich gesehen, zulässig.

Unfallrisiko bei Senioren
Experten sind sich uneinig: Bei einigen Senioren kann durchaus ein höheres Unfallrisiko beobachtet werden. Diese Aussage darf aber nicht verallgemeinert werden.
Foto: Adobe Stock, Patrizia Tilly

Die Frage, ob die Erhöhung der Beiträge gerechtfertigt ist, lässt sich pauschal nicht beantworten. Mit Sicherheit gibt es Senioren, bei denen eine Erhöhung gerechtfertigt ist. Wiederum andere sind noch topfit und werden durch die Erhöhung ungerecht behandelt und zur Kasse gebeten.

Lösungsversuche: Fahrtests für Senioren

Um der Unfairness vorzubeugen, haben einige Versicherer damit begonnen, ihre älteren Versicherungsnehmer um einen Fahrtest zu bitten. Dieser wird von einer Fahrschule durchgeführt und soll belegen, dass der Senior immer noch in der Lage ist, gewissenhaft das Kraftfahrzeug zu führen. Hierbei wird auch das Unfallrisiko festgestellt: Sind Reaktionsgeschwindigkeit sowie die anderen Fähigkeiten noch nicht weiter eingeschränkt und kann dies für den Senior nachgewiesen werden, erhöhen sich die Beiträge nicht.
Experten überlegen momentan, solche Tests für alle Senioren ab einem bestimmten Alter einzuführen, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen. So soll vor allem festgestellt werden, wer ein erhöhtes Unfallrisiko darstellt. Insbesondere soll an die Senioren an sich appelliert werden, die natürlich selbst entscheiden, ob sie mit ihren möglichen Problemen noch aktiv am Straßenverkehr teilnehmen möchten.

Beitragserhöhung im Briefkasten: Was ist zu tun?

Solltest Du als Senior eine Beitragserhöhung aufgrund Deines Alters im Briefkasten haben, kannst Du zunächst die Versicherung kontaktieren und genauer nachfragen. Checke ebenfalls die Versicherungspolice, ob diese Erhöhung vertraglich vereinbart ist. Natürlich steht Dir auch ein Versicherungswechsel offen: Ein Preisvergleich lohnt in diesem Bereich immer. So kannst Du Dir sicher sein, den kostengünstigsten Vertrag für Dich zu finden. Auch ein Wechsel des Versicherungsnehmers, beispielsweise auf den Namen Deines Kindes, kann helfen, die Beitrage zu senken. Solltest Du Dich für einen Fahrtest entscheiden, kannst Du möglicherweise auch die Versicherung damit überzeugen und ihnen zeigen, dass bei Dir kein erhöhtes Unfallrisiko besteht.

Fazit: Das Unfallrisiko bei Senioren ist in manchen Fällen erhöht, eine Verallgemeinerung kann allerdings nicht angeführt werden. Das Unfallrisiko der Senioren hängt immer mit der jeweiligen Gesundheit zusammen. Beim Versicherungswechsel lohnen ein Preisvergleich und der genaue Blick in die Versicherungspolice!

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