Die Steuererklärung naht: Was zählt zu den Werbungskosten

Der Frühling steht vor der Haustür und endlich hast Du wieder Zeit, in den Garten zu gehen oder auf dem Balkon zu sitzen. Die Sonne will genossen werden und in der Stadt locken gemütliche Cafés mit leckerem Kaffee oder neuen Eiskreationen. Das Frühjahr könnte so schön sein, wäre da nicht eine ganz besonders unangenehme bürokratische Angelegenheit: die Steuererklärung. Die jährliche Abgabe der persönlichen Steuerunterlagen ist für viele ein unangenehmer Kampf gegen die unverständliche Bürokratie. Die Vordrucke und Anleitungen sind unverständlich und kaum einer weiß wirklich, welche Ausdrucke und Anlagen er wirklich braucht und welche Angaben eigentlich in welche Zeile gehören. Wenn Du Dich also jedes Jahr aufs Neue fragst, wie die Steuererklärung eigentlich richtig ausgefüllt werden sollte, kannst Du Dir sicher sein: Du bist nicht der Einzige, der mit den Formularen und Anträgen kämpft und sich lieber ins Eiscafé wünscht.

Werbungskosten
Die Werbungskosten sind ein wichtiges Thema für alle Arbeitnehmer, weil sie so ihre Steuerlast drücken können. Doch viele fragen sich – zurecht – was eigentlich zu den Werbungskosten dazugehört!
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Die Steuererklärung verlangt viele verschiedene Detailantworten von Dir, die in oft kryptischen Begriffen oder Fragen angefordert werden. Ein besonders interessanter und wichtiger Aspekt der Steuererklärung sind die Werbekosten in der Anlage N der Steuererklärung angegeben und sind Deine Chance, tatsächlich Steuern zu sparen und viele verschiedene Anschaffungen abzusetzen. Doch was sind die Werbungskosten, warum gibt es sie überhaupt und was darfst Du absetzen?

Werbungskosten: Setze Deine Arbeitsmaterialien in der Steuererklärung ab

Der Begriff Werbungskosten umschreibt für den Laien nicht annähernd das, was eigentlich darunter verstanden wird, und verwirrt verständlicherweise. Man könnte annehmen, es handle sich dabei um einen Kostenpunkt, der irgendwas mit Werbung zu tun hat. Dies stimmt allerdings nicht im Geringsten: Unter Werbekosten werden all die Dinge, Anschaffungen und Aufwendungen verstanden, die Du machen musst, um Deiner Arbeit bestmöglich nachzugehen. Es handelt sich also um eine Art der Geldausgabe, die in direkter Verbindung mit Deiner beruflichen Tätigkeit steht.

Diese Definition des Begriffs der Werbekosten ist schon detaillierter, zeigt allerdings noch nicht genau auf, was eigentlich zu den Werbekosten zählt. Sind es nur die Arbeitsklamotten, die gerade Handwerker täglich tragen und reinigen lassen müssen? Sind es die Reisekosten, die dort ins Spiel kommen? Zählen auch Computer oder die Kosten für Bewerbungen dazu?
Generell gilt: Die Werbungskosten sind flexibel und vielseitig. Der Grund liegt natürlich in der Vielfältigkeit der Jobmöglichkeiten. Wir alle gehen einem anders definierten Arbeitsfeld nach und haben andere Ansprüche an die Materialien unserer Arbeit. Ein Elektriker oder ein Bäcker haben demnach andere Werbungskosten als ein Autor, eine Grafikerin oder ein Versicherungsvermittler. Um Deine Werbungskosten zu ermitteln, musst Du also erstmal festhalten, welchem Job Du nachgehst und welche Anschaffungen und Investitionen Du diesbezüglich aufgewandt hast.

Werbungskosten
Auch Fortbildungen fallen in den Bereich der Werbungskosten, solange sie in einem beruflichen Zusammenhang stehen.
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Da die Individualität eines jeden Jobs keine Verallgemeinerung der Werbekosten zulässt, gilt es, sich an bestimmten Themen- und Ausgabefeldern zu orientieren. In der folgenden Liste kannst Du herausfinden, welche Werbungskosten Du im vergangenen Steuerjahr aufgebracht hast und jetzt absetzen kannst!

Was zählt zu Deinen Werbungskosten?

Die Werbungskosten können ganz unterschiedlich gegliedert sein. Finde mit dieser Liste heraus, welche Werbungskosten Du wirklich hast und was Du absetzen kannst.

Arbeitsmittel: Um Deine Werbungskosten zu ermitteln, solltest Du Dir vor allem eine ganz bestimmte Frage stellen: Was brauchst Du zum Arbeiten? Die Arbeitswelt wird zunehmend digitaler, deswegen werden wahrscheinlich auch auf Deinem Schreibtisch ein Computer, ein Drucker und ein Telefon stehen. Hast Du diese privat angeschafft und nutzt Du sie aber auch beruflich, kannst Du die Anschaffungskosten von der Steuer absetzen. Aber Achtung: Das Finanzamt erlaubt es nicht, die private Anschaffung eines Computers komplett zu den Werbungskosten zu zählen. Wichtig ist, wie oft Du mit dem Gerät geschäftlich arbeitest und wie oft privat. Arbeitest Du nachweislich zu mindestens 90 Prozent beruflich mit dem Computer, kannst Du die kompletten Kosten absetzen. Ist dies nicht verfall, musst Du eine Abschätzung abliefern. In der Theorie hat sich die sogenannte 50:50-Regel etabliert. Kannst Du nicht genau belegen, wie oft Du Deinen Computer privat oder beruflich nutzt, kannst Du 50% der Kosten absetzen.

Tipp: Solltest Du Deinen Computer wirklich großteilig beruflich nutzen, ist es sinnvoll, dem Finanzamt diese Nutzung auch glaubhaft nachzuweisen. Dies ist beispielsweise mit einem Computer-Fahrbuch oder mit einer sinnvollen Abschätzung möglich. Beschreibe dem Finanzamt Deine Arbeit, damit es erkennt, wie viel Du tatsächlich an dem Computer arbeitest.

Neben den Kosten für den Computer zählt beispielsweise auch das Handy dazu. Nutzt Du Dein Smartphone auch beruflich, kannst Du bis zu 20% der monatlichen Handyrechnung steuerlich bei den Werbungskosten absetzen.

Bewerbungskosten: Du hast noch nicht Deinen Traumjob gefunden und bewirbst Dich regelmäßig? Auch die Bewerbungskosten kannst Du bei den Werbungskosten abgesetzten. Hierbei stehen Dir zwei Möglichkeiten offen. Entweder Du zählst tatsächlich alle Materialien, Briefmarken, Fahrten zu Vorstellungsgesprächen usw. zusammen, oder Du rechnest pauschal ab. Bei einer gedruckten Bewerbung, die in einer Mappe verschickt wird, werden 8,50 Euro angerechnet, bei jeder Bewerbung ohne eine Mappe, also auch online oder per E-Mail, kannst Du 2,50 Euro absetzen. Es spielt hierbei übrigens keine Rolle, ob Du den Job am Ende bekommen hast oder nicht. Lediglich das Bestreben und die Jobsuchen zählen.

Werbungskosten
Wenn Du Deine Steuererklärung nicht selbst machen möchtest, aus Angst, Du könntest etwas wichtiges vergessen, bietet es sich an, einen Steuerberater um Unterstützung zu bitten.
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Fahrten zur Arbeit und die Pendlerpauschale: Dein Arbeitsplatz liegt nur fünf Gehminuten von Deinem Zuhause entfernt? Dann sparst Du nicht nur jede Menge Zeit, sondern auch Geld. Für die meisten ist dies allerdings eine Wunschvorstellung und sie müssen mehrere Kilometer mit dem Auto, dem Fahrrad oder der Bahn fahren. Auch dies kannst Du steuerlich absetzen. Hierbei spielt es keine Rolle, wie Du zu Deinem Arbeitsplatz kommst, es gilt immer die gleiche Rechnung: Pro gefahrenen Kilometer (es zählt die kürzeste Strecke) kannst Du 0,30 Euro absetzen. Bedenke aber, dass Du den Fahrweg nur einfach berechnen kannst. Liegt Dein Arbeitsplatz 10 Kilometer von Deinem Zuhause entfernt, rechnest Du also 0,30x10km und multiplizierst das Ergebnis noch mit den von Dir geleisteten Arbeitstagen.
Es gibt allerdings eine Ausnahme: Übersteigen die Kosten Deines Bahntickets die sogenannte Pendlerpauschale, bekommst Du bei den Werbungskosten den vollen Betrag der Ticketpreise rückerstattet. So hast Du als Bahnfahrer keinen Nachteil.

Berufliche Weiterbildungen: Wenn Du eine Fortbildung oder Weiterbildung besuchen möchtest, die nicht von Deinem Arbeitgeber bezahlt wird, kannst Du diese auch von der Steuer absetzen und sie zu den Werbungskosten hinzuzählen. Es muss allerdings ersichtlich sein, dass diese Aufwendungen in einem beruflichen Zusammenhang stehen. Du musst also begründen können, warum es sich in diesem Moment gerade um eine Fort- oder Weiterbildung beziehungsweise um eine Umschulung handelt.

Reisekosten absetzen: Du bist aufgrund beruflicher Termine oft unterwegs? Dann kannst Du auch die privat geleisteten Reisekosten absetzen. Hierbei sind nicht nur die Fahrtkosten abzusetzen, sondern auch die Übernachtungskosten und zum Teil auch die Verpflegungskosten. Allerdings musst Du dem Finanzamt auch hier nachweisen, dass es sich um eine berufliche Reise handelt.

Wie weißt Du die Werbekosten nach?

Das Finanzamt möchte Deine Angaben der Werbekosten natürlich nachprüfen. Deswegen solltest Du alle Quittungen, Rechnungen und Nachweise für Weiterbildungen, Reisekosten, Fahrtweg oder Computer aufheben. Rechnest Du den Beitrag für die Werbekosten in Deiner

Fazit: Die Werbungskosten sind ein spannendes Thema in jeder Steuererklärung. Nur die wenigsten wissen, wie genau die Werbungskosten anzugeben sind, dabei lässt sich mit der genauen Angabe der aufgebrachten Aufwendungen die Steuerlast stark verringern! Solltest Du Fragen zu Deiner Steuererklärung haben, ist der Gang zu einem Steuerberater durchaus sinnvoll. Dieser kann Dir noch weiter helfen, die Steuerlast zu senken!

 

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