Ehescheidung – Diese Fakten musst Du beachten

Die Ehescheidung ist nie angenehm. Wenn das Zusammenleben der Ehegatten nicht mehr so funktioniert, wie sie es sich gewünscht haben, ist eine Trennung und eine Scheidung manchmal der einzige Weg. Die Wertung des deutschen Eherechts ist da ähnlich: Erst, wenn eine Ehe gescheitert ist und die Ehegatten getrennt leben, kann die Ehe vor Gericht geschieden werden. Grundsätzlich möchte der Gesetzgeber also, dass eine Ehe nicht vorschnell aufgelöst wird, und hat deshalb bestimmte Bedingungen aufgestellt, ab wann eine Ehe geschieden werden kann.

Das Trennungsjahr – Voraussetzungen für eine Ehescheidung

Laut Gesetz kann eine Ehe nur geschieden werden, wenn sie „gescheitert“ ist. Das bedeutet, dass die Eheleute getrennt leben und keine realistische Aussicht besteht, dass die Ehe noch gerettet werden kann. Der Gesetzgeber verlangt allerdings eine Trennungszeit von mindestens einem Jahr. Damit soll verhindert werden, dass die Eheleute z.B. nach einem heftigen Streit vorschnell den Schluss ziehen, dass sie nicht mehr zusammenleben möchten. Erst, wenn sie tatsächlich seit einem Jahr getrennt leben, geht das Gesetz davon aus, dass die Ehe mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr zu retten ist (sogenannte „Zerrüttung“). Allerdings muss diese Zerrüttung vor Gericht grundsätzlich bewiesen werden. Wenn der Familienrichter also bei Eheleuten den Eindruck bekommt, dass sie alsbald wieder zusammenleben könnten, wird die Ehe nicht geschieden, auch wenn die Trennung schon länger als ein Jahr besteht. Es gibt aber eine Obergrenze: Bei drei Jahren Trennung gilt eine Ehe definitiv als zerrüttet. Ist eine Trennungszeit von drei Jahren bewiesen, muss der Familienrichter laut Gesetz zwingend davon ausgehen, dass die Ehe zerrüttet ist. Leben die Ehegatten hingegen erst seit weniger als einem Jahr getrennt, kann die Ehe nur geschieden werden, wenn die Aufrechterhaltung der Ehe für einen der Ehegatten eine unzumutbare Härte bedeuten würde. Es muss nachgewiesen werden, dass es für sie oder ihn nicht hinnehmbar ist, weiter mit dem Partner verheiratet zu sein. Dies ist nur in Extremfällen wie Gewalttaten gegen den Ehegatten oder Alkoholexzessen der Fall. Selbst bei heftigeren Zerwürfnissen wird man in der Regel nicht von einem solchen Extremfall ausgehen können, sodass in den allermeisten Fällen die Regel gilt, dass vor der Scheidung mindestens ein Trennungsjahr liegen muss.

Ehescheidung
Eine Ehescheidung ist ein Prozess, der mehrere Monate bis Jahre andauert.
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Was heißt „Getrenntleben“?

Voraussetzung für die Scheidung einer Ehe ist in aller Regel, dass die Partner seit einem Jahr getrennt leben. Oft stellt sich dabei die Frage, ab wann man überhaupt von „Getrenntleben“ reden kann, sprich, ab wann das Trennungsjahr anfängt. Die Bestimmung dieses Zeitpunkts kann im Scheidungsprozess erhebliche Bedeutung erlangen: Zum einen entscheidet sich am Beginn der Trennungszeit, wann die Ehe überhaupt geschieden werden kann. Außerdem sind sich die Ehegatten ab der Trennung nicht mehr allgemein zu gegenseitiger Unterstützung verpflichtet, sondern es entsteht ein ganz konkreter Unterhaltsanspruch, der in Geld zu leisten ist. Des Weiteren müssen die Steuerklassen im Jahr nach der Trennung gewechselt werden: Ehegatten, die getrennt leben, können nicht mehr vom Ehegattensplittung profitieren und demgemäß auch nicht mehr nach den üblichen Steuerklassen III und V veranlagen. Unterhaltsansprüche in Geld kann der Unterhaltspflichtige als Sonderausgabe abziehen, die Unterhaltsleistungen müssen aber beim Unterhaltsberechtigten versteuert werden. Der Trennungszeitpunkt ist außerdem wichtig, um beim Zugewinnausgleich den Auskunftsanspruch zum Bestand des Vermögens richtig geltend machen zu können.
Für ein Getrenntleben ist es keinesfalls notwendig, wie manchmal behauptet, dass die Eheleute in getrennten Wohnungen leben. Wenn ein Ehegatte auszieht, ist das zwar ein Zeichen für das Getrenntleben, aber die Ehegatten können schon lange vor dem Auszug „getrennt leben“ im Sinne des Gesetzes. Auch getrennte Zimmer und Haushaltsführung sowie unabhängige Lebens- und Freizeitgestaltung in ein und derselben Wohnung können schon eine „Trennung“ sein. Es kommt nur darauf an, dass die Eheleute sich nicht nur emotional entfremdet sind, sondern tatsächlich ihr Leben getrennt voneinander führen. Schlafen die Ehegatten noch in einem Bett, essen zusammen und führen einen gemeinsamen Haushalt, kann nicht von einer Trennung gesprochen werden, auch wenn sich beide Eheleute eine Scheidung wünschen. Weitere Voraussetzung für das Getrenntleben ist neben dem Fehlen einer häuslichen Gemeinschaft, dass mindestens ein Ehegatte die Gemeinschaft erkennbar nicht herstellen will. Probleme beim Nachweis des Getrenntlebens kann es nur geben, wenn ein Ehegatte behauptet, die Trennung sei erst später passiert. In diesem Fall ist es nützlich, wenn der Ehegatte, der sich auf die Trennung beruft, einen Trennungsbrief als Nachweis versendet hat, in dem er zum Zeitpunkt der Trennung dem anderen Ehegatte mitteilt, dass sie von nun an getrennt leben. Sind sich beide Ehegatten darüber einig, dass sie seit einem Jahr getrennt leben, verlangt das Gericht keine weiteren Gründe für die Ehescheidung, sondern geht davon aus, dass die Ehe gescheitert ist.

Der Scheidungsantrag

Liegen die Voraussetzungen für eine Scheidung vor und wünscht ein Ehegatte die Scheidung, muss von einem Anwalt vor Gericht ein Scheidungsantrag gestellt werden. Der andere Ehegatte braucht nicht unbedingt einen Anwalt, wenn die Ehescheidung einvernehmlich geschieht. Befürchtet der andere Ehegatte allerdings Nachteile durch die Scheidung beziehungsweise ist mit der Scheidung nicht einverstanden, sollte er im eigenen Interesse einen Anwalt beauftragen. Das gilt auch, wenn der andere Ehegatte Anträge vor Gericht stellen will. Dann ist es allerdings nicht nötig, einen Anwalt für das ganze Verfahren zu bestellen, sondern es reicht die kurze und viel billigere Hinzuziehung eines am Gericht anwesenden Anwalts, der den Antrag stellt. Die Anwalts-und Gerichtskosten richten sich übrigens nach dem gemeinsamen Einkommen der Eheleute, wobei Anwälte höhere Honorare nach Vereinbarung verlangen können.

Eine Scheidung ist nie ein erfreuliches Ereignis, doch wenn eine Ehe gescheitert ist, bleibt Deinem Partner und Dir nichts Anderes übrig, als der Realität in die Augen zu sehen. Bis Ihr Euch scheiden lassen könnt, müsst Ihr allerdings ein paar Kleinigkeiten, wie beispielsweise das Trennungsjahr, beachten. Bestenfalls lasst Ihr Euch beide von einem Anwalt beraten, um möglichen Fallstricken entgegen zu stehen und die Scheidung reibungslos über die Bühne zu bringen. Ein Berater kann Euch weiterhin helfen, alle bürokratischen Feinheiten zu regeln und gibt Tipps, wie der Familienrichter das Trennungsjahr akzeptiert.

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