Sorgerecht nach Scheidung: Verbleib gemeinsamer Kinder

Sorgerecht nach Scheidung ist ein wichtiges Thema. Von den knapp 170.000 geschiedenen Ehen im Jahr 2013 waren mehr als 136.000 minderjährige Kinder betroffen. Nach einer Ehe, aus der Kinder entstanden sind, stellt sich in vielen Fällen neben den Streitigkeiten in puncto Vermögensausgleich auch die Frage: Was passiert mit den Kindern? Bei wem können sie wohnen, wer entscheidet in großen und kleinen Dingen des Lebens und wer darf sie wie oft sehen? Im Vordergrund dieser Fragen, die manchmal leider nur über das Gericht geregelt werden können, steht immer das sogenannte Kindeswohlprinzip: Das bedeutet, dass die Familiengerichte sich im Zweifel immer so entscheiden, wie es nach dem Urteil der Richter für das Kind am besten ist. Anträge und Wünsche der Eltern müssen da zurückstehen. Doch was bedeuten diese Einzelheiten genau?

Das Sorgerecht nach Scheidung

Sorgerecht nach Scheidung
Kinder sind bei Scheidungen oft die Leidtragenden.
Foto: Adobe Stock, Photographee.eu

Grundsätzlich muss zwischen Sorgerecht nach Scheidung und Umgangsrecht nach Scheidung unterschieden werden.
Das Sorgerecht ist das „größere“ Recht: Wer das Sorgerecht für ein Kind hat, sprich wem die elterliche Sorge zusteht, hat die Entscheidungsbefugnis sowohl über die kleinen Dinge des Kindesalltags, als auch über die großen, wichtigen Fragen wie Ausbildung und Kindererziehung. Neben der Entscheidungsbefugnis besteht die elterliche Sorge aber auch aus der Pflicht, sowohl für das Kind als auch für dessen Vermögen tatsächlich zu sorgen, also Pflege, Unterhalt, Erziehung und Vermögensverwaltung zu besorgen. Wenn miteinander verheiratete Eltern sich scheiden lassen, bleibt das in aller Regel gemeinsam ausgeübte Sorgerecht zunächst für beide Elternteile bestehen. Das bedeutet, dass die Eltern zumindest in den grundsätzlichen, großen Lebensfragen des Kindes trotz der Scheidung gemeinsam entscheidungsbefugt sind, und sich in Streitfragen einigen müssen. Meistens werden sich die Eltern darauf einigen, dass die Kinder oder auch einzelne Kinder überwiegend bei der Mutter oder beim Vater wohnen. In solchen Fällen regelt das Gesetz, dass derjenige Elternteil, bei dem das Kind sich gewöhnlich aufhält, ein alleiniges Entscheidungsrecht über Fragen des Alltags hat. Hierbei handelt es sich zum Beispiel um die Frage, ob das Kind Klavierunterricht bekommt oder bei Freunden übernachten darf. Handelt es sich hingegen um richtungsweisende Entscheidungen mit schwer abzuändernden Auswirkungen auf das lebend des Kindes, müssen sich die Eltern einigen.


Gehen die Vorstellungen der geschiedenen Eltern zu weit auseinander, oder sind die Expartner zu zerstritten, als dass sie sich einigen könnten, überträgt das Familiengericht einem Elternteil die alleinige Sorge. Hierfür muss entweder der andere Elternteil zustimmen oder es müssen Gründe des Kindeswohls dafür sprechen. Das Sorgerecht für Kinder ab 14 Jahren kann gegen deren Willen nur bei gewichtigen Gründen des Kindeswohls auf ein Elternteil übertragen werden. Wenn sich Eltern Gedanken darüber machen, nach der Scheidung das Sorgerecht einem Elternteil allein zu übertragen, sollten sie, soweit sie sich vertragen und vernünftig miteinander reden können, die Vor-und Nachteile abwägen. Der Vorteil bei der alleinigen Sorge ist, dass ein Elternteil (zum Beispiel die Mutter) grundsätzlich freie Hand in der Erziehung hat und keine Kompromisslösungen gefunden werden müssen, oder jeweils das Einverständnis des geschiedenen Partners eingeholt werden muss. Wenn der andere Partner damit einverstanden ist, kann das eine gute Lösung sein. Der Partner, der sein Sorgerecht abgibt, sollte sich aber bewusst sein, dass er damit die Entscheidungsbefugnis über das Kind zumindest rechtlich weitgehend aus der Hand gibt. Wer sich die alleinige Sorge übertragen lassen will, sollte außerdem nicht vergessen, dass er nicht nur das Entscheidungsrecht alleine ausüben kann, sondern auch die Sorgepflicht allein erfüllen muss (vom Kindesunterhalt ist diese Frage freilich getrennt; der Elternteil, bei dem das Kind lebt, erfüllt seine Unterhaltspflicht in der Regel mit dem Bereitstellen von Wohnung, Kleidung etc., der andere Elternteil muss zahlen). Bei der alleinigen Sorge kann zum Beispiel die sorgeberechtigte Mutter vom Vater nicht verlangen, in einer stressigen Situation das Kind zu übernehmen, weil sie die alleinige Trägerin der Sorgepflicht ist. Das ist bei der gemeinsamen Sorge anders. Bei der Beurteilung, ob zum Beispiel ein gemeinsames Sorgerecht beider Eltern für ihre Kinder dem Kindeswohlprinzip entspricht, spielt das Verhältnis der Eltern untereinander eine entscheidende Rolle: Vertragen sich die beiden nicht, wird das Gericht davon ausgehen, dass die gemeinsame Ausübung des Sorgerechts dem Kindeswohl abträglich ist.

Das Umgangsrecht

Vom Sorgerecht zu unterscheiden ist das Umgangsrecht. Auch wenn ein Elternteil die alleinige Sorge für ein Kind hat, ist der andere Elternteil berechtigt und sogar verpflichtet, das Kind regelmäßig zu sehen. Laut Gesetz hat das Kind nämlich ein Recht darauf, seine beiden Eltern zu sehen. Das Umgangsrecht ist ein bloßes „Besuchsrecht“ bzw. ein Recht auf Besuche; Fragen der Erziehung oder Lebensgestaltung werden davon nicht berührt. Meistens vereinbaren die Eltern, dass das Kind 2 bis 3 Mal im Monat zu dem anderen Elternteil zu Besuch kommt. Ob mit oder ohne Übernachtung, hängt vom Einzelfall ab. Kein Elternteil darf versuchen, durch Einwirkungen auf das Kind (zum Beispiel „lästern“ über den Expartner) das Umgangsrecht zu unterlaufen. Der Umgangsberechtigte darf die Besuche auch nicht dazu missbrauchen, das Kind über den Expartner auszuhorchen, ihn hinter seinem Rücken schlecht zu machen oder durch ein besonders spektakuläres „Unterhaltungsprogramm“ das Kind emotional „auf seine Seite zu bringen“. Der Besuch soll nicht zu einem Kriegsschauplatz der Eltern werden, sondern dem Kindeswohl dienen.

Egal, wie Ihr Euch entscheidet: Wichtig ist, dass Ihr immer das Wohl des Kindes im Auge habt. Versucht möglichst, Euch nicht vor den Augen Eures Kindes über das Sorgerecht nach der Scheidung zu streiten und denkt nicht egoistisch!

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