Geerbte Versicherungen: Was passiert damit?

Du hast gerade einen geliebten Menschen verloren? Dann möchten wir Dir an dieser Stelle unser herzlichtes Beileid aussprechen: Es ist nie leicht, einen Verwandten, Freund oder Bekannten zu verlieren. Während in den ersten Tagen die Trauer einen komplett in der Hand hat, gibt es leider viele bürokratische Dinge zu erledigen. Neben den schriftlichen Angelegenheiten bezüglich des Todes, wollen auch andere Stellen, beispielsweise die Versicherer, über den Todesfall informiert werden.
Das Thema geerbte Versicherungen ist besonders in den ersten Wochen nach dem Todeszeitpunkt wichtig. Hier ist vor allem die Frage zu stellen, ob Du der Erbe bist, es mehrere gibt, oder Du einfach nur den rechtmäßigen Erben unterstützt. Die Frage ist entscheidend, weil Du als Erbe der Versicherungen einiges zu beachten hast. Einige Versicherungen, wie beispielsweise die Lebensversicherung oder die Krankenversicherung, werden mit dem Todeszeitpunkt gekündigt. Andere Versicherungen laufen weiter und können – wenn gewünscht – übernommen werden.

Geerbte Versicherungen
Geerbte Versicherungen sind ein Thema, das Angehörigen besonders schwer fällt. Dennoch ist es wichtig, zu wissen, was nach einem Todesfall alles ansteht. Foto: Adobe Stock, Africa Studio

Kündigung nach Todeszeitpunkt: Lebensversicherung & Co+

Wenn Dein geliebter Verwandter oder Bekannter verstirbt und Du als Erbe mit dem Nachlass beschäftigt bist, wirst Du Dich auch mit den Versicherungen auseinandersetzen müssen. Einige Versicherungen, wie beispielsweise die Lebensversicherung oder die Krankenversicherung, werden mit dem Zeitpunkt des Todes gekündigt. Während die Krankenkasse durchaus über den Todesfall durch Amtswege informiert wird, bist Du bei der Lebensversicherung in der Pflicht, den Tod des Versicherungsnehmers zu melden. Bedeutet: Innerhalb einer Frist von meist zwei bis drei Tagen solltest Du der Versicherungsgesellschaft eine Sterbeurkunde überreichen. Diese kurze Frist ist besonders wichtig, weil die Versicherung natürlich prüfen möchte, ob der Leistungsfall für sie eintritt. Tod ist für die Versicherung nicht gleich Tod. In manchen Policen ist die Leistung bei besonderen Unfällen oder Krankheiten ausgeschlossen.

In einem solchen Fall ist es natürlich immer besonders ratsam, wenn Du über die Versicherungen des Verstorbenen Bescheid weißt. Dies ist nicht immer der Fall, gerade, wenn der Tod plötzlich kommt und der Verstorbene keine Gelegenheit hatte, seine nächsten über etwaige Verträge zu unterrichten. Deswegen solltest Du kurzzeitig nach dem Todesfall als Erbe einen Blick in die jeweiligen Unterlagen des Verstorbenen werfen. Oftmals sind Begünstigte der Lebensversicherungen auch über den Bestand des Vertrags unterrichtet.
Lebensversicherungen, Krankenversicherungen und Unfallversicherungen sind also an die jeweilige Person gebunden, werden mit dem Tod gekündigt und sind nicht geerbte Versicherungen.

Tipp: Die erste Zeit nach einem Trauerfall fällt jedem schwer. Deswegen solltest Du Dir unbedingt bei Freunden und Bekannten Unterstützung suchen. Hast Du jemanden in Deinem Umfeld, der sich besonders gut mit Unterlagen auskennt? Frag ihn oder sie, ob eine Unterstützung möglich ist. In einer solchen Zeit solltest Du nicht alles alleine machen müssen, sondern auf die Hilfe Deiner Mitmenschen bauen!

Geerbte Versicherungen: Was passiert mit den Policen?

Doch was passiert mit all den anderen Versicherungen, die nicht in diese Bereiche gehören? Was ist mit der privaten Haftpflichtversicherung, der Hausratversicherung oder der KFZ-Versicherung des Verstorbenen?
Es gibt im Generellen keine einheitliche Regelung über geerbte Versicherungen. Deswegen ist es umso wichtiger, nach Tod Deines Angehörigen, frühzeitig die Versicherungen zu kontaktieren. Gemeinsam mit den Versicherungen kannst Du abklären, was genau getan werden muss und was zu erledigen ist.

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Auch die Wohngebäudeversicherung zählt zu den Versicherungen, die vererbt werden können. Foto: Adobe Stock, nattapoomv

Private Haftpflichtversicherung: Endet bei Tod des Versicherungsnehmers

Die meisten Menschen haben eine private Haftpflichtversicherung abgeschlossen. Sollte der Verstorbene Ebenenfalls eine solche haben, endet sie mit dem Tod desjenigen. Bereits gezahlte Beiträge werden zurückerstattet.
Sind in der Police andere Personen, beispielsweise Ehegatte oder Kinder, mitversichert, bleibt der Versicherungsschutz bestehen. Die Versicherten haben dann die Möglichkeit, den nächsten, fälligen Beitrag zu zahlen und werden selbst zum Versicherungsnehmer. In einem solchen Fall haben die Versicherten kein Sonderkündigungsrecht, sondern sie müssen das Ende der Vertragslaufzeit abwarten.

KFZ-Versicherung: Bleibt bestehen und geht an die Erben über

Die KFZ-Versicherung zählt eindeutig in den Bereich geerbte Versicherungen. Sollte Dein Angehöriger ein Auto besessen haben, läuft die KFZ-Versicherung automatisch weiter und Du wirst Versicherungsnehmer. Der Vertrag läuft dann auf Deinen Namen und auch ein Sonderkündigungsrecht besteht nicht. Die Versicherer nehmen sich aber das Recht raus, die Versicherungsbeiträge zu ändern und sie an Deine Person anzupassen. Auch hier besteht kein Sonderkündigungsrecht. Du musst das Auto entweder verkaufen oder dann zum Ende der Vertragslaufzeit wechseln.

Geerbte Versicherungen: Hausrat als Zwischenlösung

Die Hausratversicherung bleibt noch zwei Monate nach dem Todesfall bestehen und schützt somit das Hab und Gut des Versicherten. Der Versicherer muss umgehend nach dem Todesfall mit der Einsendung einer Sterbeurkunde über den Vorfall informiert werden, damit alle weiteren Regelungen vorgenommen werden können. Zieht der Erbe in die Wohnung oder das Haus des Verstorbenen, wird die Hausratversicherung übernommen. Ein Sonderkündigungsrecht besteht nur, wenn der Erbe bereits über eine Hausratversicherung bei einer anderen Versicherungsgesellschaft verfügt.

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Um herauszufinden, welche Versicherungen Dir hinterlassen wurde, ist es sinnvoll, zeitnah eine Bestandsaufnahme zu machen. Foto: Adobe Stock, Africa Studio

Geerbte Versicherungen: Ordnung in den Unterlagen bringt Klarheit

Wer einen Todesfall zu betrauern hat, der sollte die Zeit zum Trauern auch nutzen und sie sich nehmen. Leider sind einige bürokratische Gänge unumgänglich. Geerbte Versicherungen sollten frühzeitig ausfindig gemacht und geregelt werden. Wenn Du über das Versicherungsportfolio des Verstorbenen informiert bist, kannst Du die Versicherer ganz leicht kontaktieren. Ansonsten ist es sinnvoll, sich zunächst einen Überblick über die Unterlagen zu machen und so eine gute Grundlage zu schaffen.

Fazit: Nicht alle Versicherungen werden vererbt. Gerade die Absicherungen aus dem Bereich Lebens-, Kranken- und Unfallversicherungen sind mit dem Tod des Versicherungsnehmers gekündigt. Andere Absicherungen wie die Haftpflicht- oder KFZ-Versicherung bleiben bestehen und können von dem Erben übernommen werden. Bei all Deinen Fragen unterstützt Dich mit Sicherheit auch Dein Versicherungsmakler. Dieser kann Dir im Zweifelsfall auch helfen, die bestehenden Versicherungen fristgerecht zu kündigen.

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