Tracking durch Versicherungen: Wie beeinflussen Fitness-Apps unsere Zukunft?

Sie haben moderne, junge Namen und sind so beliebt wie der Kaffee zum Mitnehmen: Fitness-Apps und Fitness-Armbänder sind in Deutschland an vielen Handgelenken zu finden. Die bunten Bändchen und stylischen Smartphone-Apps haben dabei ein Ziel: Die Fitness- und Gesundheitsdaten des Nutzers und Trägers zu tracken, zu speichern und zu analysieren. Gerade Sportbegeisterte und Gesundheitsbewusste genießen diese Tools und checken ihre Fitness stetig. Sie zählen ihre Schritte und die gegessenen Kalorien, messen den Blutdruck und achten auf die Ausgewogenheit ihrer Ernährung. Prognosen geben an, dass dieser Trend weltweit bis 2020 stark ansteigen und die Akzeptanz, Möglichkeiten und Nutzung verstärken wird.

Tracking durch Versicherungen
Trackst Du schon oder schweigst Du noch? Immer mehr Versicherer setzen auf die Übermittlung digitaler Gesundheitsdaten per Smartphone.
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Die aufgezeichneten Daten sind dabei nicht nur für den Nutzer spannend, auch Versicherer haben zunehmendes Interesse an den Gesundheitsdaten ihrer Kunden. Aus den Daten lassen sich schließlich viele Rückschlüsse auf den Lebensstil, die Fitness und die Gesundheit des Kunden schließen. Tracking durch Versicherungen nennt sich dieses System, das momentan heiß diskutiert wird und sich nicht nur auf die Gesundheitsdaten beschränkt. Auch Tracking-Boxen in Fahrzeugen, die das Fahrverhalten der Versicherungsnehmer aufzeichnen und analysieren sollen, sind momentan im Gespräch. Doch welche Chancen hat das Tracking durch die Versicherung in der Zukunft? Auf was müssen sich Verbraucher gespannt machen und wie verhält sich dieses heikle Thema in Sachen Datenschutz?

Ein Leben in technischer Überwachung: Tracking durch Versicherung mit verschiedenen Tools

Trägst Du ein Fitness-Armband? Nutzt Du verschiedene Apps, um Deine beim Joggen gelaufenen Kilometer aufzuzeichnen und Deinen Erfolg vielleicht sogar im Social Media zu teilen? Zählst Du Kalorien und zeichnest jede Mahlzeit per App auf? Dann zählst Du vermutlich zu den Traumkunden der Zukunft einer jeden Versicherung, denn Du tust genau das, was Versicherungen sich wünschen: Du sammelst Gesundheitsdaten, die viel über Dich, Deine Fitness und schließlich Deinen Gesundheitszustand aussagen. Natürlich haben die Versicherer momentan noch keinen Zugriff auf diese Daten, mit Deiner Sammelwut könntest Du allerdings in Zukunft vielleicht bares Geld sparen.

Tracking durch Versicherungen
Nicht nur Fitness-Armbänder dienen zur Übertragung bestimmter Daten. Auch in Autos sind mittlerweile Tracking-Tools eingebaut, die dem Versicherer interessante Informationen über den Versicherungsnehmer liefern.
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Du fragst Dich, warum Dein Fitness-Armband Dir beim Geldsparen helfen soll? Die Antwort liegt (beinahe) auf der Hand: Die Versicherungsgesellschaft kann mit Deinen persönlichen Gesundheitsdaten Dein Risiko besser einschätzen. Anhand Deines Lebensstils, Deiner Ernährung und Deiner Fitness können sie kernennen, wie hoch Dein Risiko auf bestimmte Krankheiten ist. Lebst Du gesund, hältst Du Dich fit und zeigst dies durch die Weitergabe Deiner Daten, möchten Krankenkassen dies in Zukunft mit Rabatten und Boni belohnen. Dieses Tracking durch Versicherungen kann so sowohl bei der Krankenversicherung als auch bei Lebens- und Berufsunfähigkeitsversicherungen zu Veränderungen führen. Erkennt Deine Krankenkasse, dass Du ungesund lebst, könnten die Beiträge – in der Theorie – steigen oder Dein Vertrag sogar gekündigt werden. Ähnlich siehst es bei Lebens- und Berufsunfähigkeitsversicherungen aus: Ein ungesundes Leben kann zu Leistungskürzungen oder höheren Beiträgen führen.

Das Tracking durch Versicherungen ist aber nicht nur auf Lebens-, Berufsunfähigkeits- und Krankenversicherungen begrenzt. Auch im Bereich der KFZ-Versicherung gibt es verschiedene Tracking-Tools, die das Fahrverhalten der Autofahrer aufzeichnen und analysieren. Wer zu schnell oder gefährliche Manöver fährt, muss mit Beitragserhöhungen rechnen. Vorsichtige Fahrer können sich hingegen auf Boni freuen.

Tracking durch Versicherungen: Was bedeutet das für den Nutzer?

Tracking durch Versicherungen
Experten beobachten das Bestreben der Versicherungen über Fitness-Apps Gesundheitsdaten zu ermitteln, kritisch an.
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Bedeutet das Tracking durch Versicherungen jetzt, dass Du auf alles achten musst und bei einem möglichst guten Lebensstil Beiträge einsparen kannst? Diese Frage kann momentan noch mit einem Nein beantwortet werden. Das Thema Tracking durch Versicherungen ist aktuell und wird heiß diskutiert, in der Praxis allerdings nur in Einzelfällen gelebt. Einige Versicherungen geben bereits Fitness-Armbänder an ihre Kunden aus, um Gesundheitsdaten zu sammeln und locken mit attraktiven Boni bei einem gesunden Lebensstil. Die Regel ist das Tracking durch Versicherungen allerdings noch lange nicht – vor allem aufgrund der Datenschutzthematik und der Nutzung der Wearables. Dass Versicherungen jede Bewegung ihrer Kunden erfahren wollen und interessiert an ihrem Lebensstil sind, wird allerdings schon durch das Bestreben, mehr Informationen auf die elektronische Krankenkarte zu speichern, erkannt. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis das Tracking durch Versicherungen zum Alltag wird und Du Dich mit dem Thema auseinandersetzen musst.

Tipp: Kritiker sehen das Thema Übertragung von Gesundheitsdaten als äußerst komplex und schwierig an. Gibst Du Deine Gesundheitsdaten weiter, kannst Du in erster Linie nicht wissen, was damit weiterhin passiert, wer sie einsieht und wozu sie verwendet werden. Die Kritik bezieht sich aber nicht nur auf die Weitergabe an Versicherungen und Krankenkassen, sondern auch die Verbreitung der Daten im Social Media.

Im ersten Moment hört sich die Chance, durch abgelieferte Gesundheitsdaten Geld zu sparen, für den einen oder anderen äußerst spannend an. Bevor Du Dich für eine solche Möglichkeit entscheidest, solltest Du aber auch die datenschutzrechtlichen Aspekte betrachten und die negativen Möglichkeiten in Erwägung ziehen.
Nutzt Du Dein Fitness-Armband für Dich privat siehst – zumindest laut Angaben der verschiedenen Hersteller – nur Du die Gesundheitsdaten. Machst Du die Daten Deiner Krankenversicherung zugänglich, ist nicht genau bekannt, wie die Daten tatsächlich verwendet werden – ähnlich verhält es sich bei einem Teilen der Daten auf sozialen Medien. Wie die Versicherungen Deine Daten auffassen und analysieren, ist ebenfalls unklar. Momentan behaupten die Versicherungen zwar noch, dass es keine negative Rückkopplung auf die Verträge in Form von Beitragserhöhungen oder Ausschlüsse geben wird (und darf). In der Realität und Zukunft könnte das natürlich anders aussehen.

Tracking durch Versicherungen
Die Dauer der Sporteinheit, die Kalorien beim Abendessen, die tägliche Schrittanzahl … Fitness-Armbänder speichern die unterschiedlichsten Informationen und sind deswegen nicht nur für Dich interessant.
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Auch heute gibt der Nutzer schon viele Daten ab

Wenn Du glaubst, dass Du momentan noch keine Daten abgibst, die Deiner Versicherung verraten, wie fit oder gesund Du bist, irrst Du leider. Schon seit längerer Zeit gibt es Versicherungen, die Boni auszahlen, wenn man sich besonders gesund ernährt oder ins Fitnessstudio geht und das nachweisen kann. Diese positiven Einwirkungen auf die Gesundheit führen zu Bonuszahlungen oder Rabatten. Macht ein Kunde nicht bei diesen Programmen mit, wirkt sich dies allerdings nicht negativ auf seinen Beitrag aus.
Laut Politikern soll diese Tatsache auch bei den elektronischen Gesundheitsdaten weiterhin der Fall sein: Der Nutzer müsse, nach Aussage von Experten, selbst entscheiden können, ob er bei solchen Programmen mitmachen möchte und auch, welche Daten er weiterreichen möchte. Einen Zwang und eine Erhöhung des Beitrags sollte nicht die Folge fehlender Gesundheitsdaten sein.

Fazit: Das Tracking durch Versicherungen wird schon in naher Zukunft wie auch die Fitness-Armbänder an sich zu unserem Alltag gehören. Wie Du mit dieser neuen Situation umgehst, solltest Du Dir im Vorfeld genau überlegen und entscheiden, ob Du zu einer solchen Preisgabe Deiner Daten bereit bist. Eins ist auf jeden Fall klar: Die Zukunft bleibt spannend!

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