Risikolebensversicherung ohne Gesundheitsprüfung

Die reine Todesfallabsicherung in Form einer Risikolebensversicherung ist die preiswerteste Variante. Allerdings betreiben die Versicherer eine Risikoauslese, indem sie anhand von Gesundheitsfragen den aktuellen Gesundheitszustand einschätzen und eine Prognose erstellen. So kann es durchaus vorkommen, dass ein Versicherungsantrag nur mit dem Ausschluss bestimmter Krankheitsbilder oder einem Risikozuschlag übernommen wird oder es ganz und gar zu Ablehnung kommt. Die Suche nach einer Risikolebensversicherung ohne Gesundheitsfragen wird nur bedingt Erfolg bringen.

Die Gesundheitsprüfung – Risikoauslese zur Beitragssicherung

Gib bei der Gesundheitsprüfung immer wahrheitsgemäße Antworten an! Foto: Adobe Stock, contrastwerkstatt
Gib bei der Gesundheitsprüfung immer wahrheitsgemäße Antworten an!
Foto: Adobe Stock, contrastwerkstatt

Die Risikolebensversicherung ist konsequent darauf ausgerichtet, die vereinbarte Leistung im Falle des Todes der versicherten Person vor Ablauf des Vertrages zu erbringen. Da in der Regel keine Ablaufleistung vorgesehen ist, reduziert sich der Beitrag auf den Kostenanteil des Versicherers, zum Beispiel für den Vertrieb und die Verwaltung, und den Risikoanteil. Dieser wird entsprechend der Wahrscheinlichkeit des vorzeitigen Todes kalkuliert und bezieht sich auf Eintrittsalter, Gesundheitszustand, den ausgeübten Beruf und die Höhe der Versicherungssumme. Um die Versicherungssumme auch wirklich auszahlen zu können, fließen die Risikoanteile aller Risikolebensversicherungen einer Versicherungsgesellschaft in einen Pool, sodass ein Risikoausgleich gegeben ist.

Reicht das auf diese Weise eingesammelte Geld nicht aus, um alle anfallenden Leistungen zu bedienen, müssen die Tarife überarbeitet und die Beiträge erhöht werden. Es liegt also im Interesse der gesamten Versichertengemeinschaft, dass die Gesundheitsprüfung zur Risikominimierung genutzt werden kann. Natürlich ist es für bereits erkrankte Personen schwierig, denn sie haben nur beschränkt Zugang zu diesem günstigen Versicherungsschutz. Alternativen sind dünn gesät, seit 2010 gibt es kaum noch Todesfallabsicherungen ohne Gesundheitsprüfung.

Todesfallabsicherung ohne Gesundheitsprüfung

Für Personen mit einem erhöhten Gesundheitsrisiko, wie zum Beispiel mit chronischen oder lebensbedrohlichen Erkrankungen, ist es extrem schwierig bis unmöglich, eine günstige Todesfallabsicherung zu erwerben. Bis 2010 hatte die Delta Lloyd als einziger Versicherer in Deutschland eine Variante ohne eine detaillierte Überprüfung des Gesundheitszustandes angeboten. Die Geschäftstätigkeit wurde im März 2010 generell eingestellt, sodass diese Alternative nicht mehr zugänglich ist. Es ist auch unwahrscheinlich, dass solche Tarife sich halten, denn die zu erwartenden Kosten lassen sich auf diese Weise nicht kalkulieren: Die fehlende Gesundheitsprüfung fördert eine Konzentration überdurchschnittlich hoher Risiken in diesem Beitragspool, sodass die Wahrscheinlichkeit einer Auszahlung der Versicherungssumme exorbitant steigt. Muss aber mehr aus dem Pool ausgeschüttet werden, als zuvor eingenommen wurde, müssen zwangsläufig die Beiträge erhöht werden. So waren auch bei der Variante der Delta Lloyd sehr hohe Kosten zu bestreiten.

Die Gesundheitsprüfung – wonach wird gefragt

Sowohl der Umfang der Gesundheitsfragen als auch der abgefragte Zeitraum unterscheiden sich gravierend am aktuellen Versicherungsmarkt. Folgende Themen spielen für die Versicherer eine Rolle bei der Beurteilung:

  • Körpergröße und Gewicht – je ungünstiger der Body-Maß-Index, desto schwieriger die Annahme des Antrages
  • regelmäßige Einnahme von Medikamenten
  • Unfälle und Krankenhausbehandlungen
  • Allergien, wie beispielsweise Heuschnupfen
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie zum Beispiel Bluthochdruck
  • Beschwerden mit Magen, Darm, Galle, Leber, Blase oder Nieren
  • Hormon- oder Stoffwechselerkrankungen, zum Beispiel Diabetes
  • Infektionen, beispielsweise HIV
  • Tumorerkrankungen, also Krebs
  • Probleme mit dem Bewegungsapparat, wie zum Beispiel ein Bandscheibenvorfall
  • Erkrankungen des Gehirns oder des Nervensystems, wie Migräne
  • Psychische Erkrankungen, wie Depressionen
  • Probleme mit den Sinnesorganen, zum Beispiel Tinitus
  • Einnahme von Rauschmitteln, beispielsweise Alkohol oder Drogen
  • Sportarten mit erhöhtem Risiko, wie Snowboarden

Entscheidend ist, wie die Fragen gestellt werden: Offene Fragen sind äußerst riskant, geschlossene Fragestellungen sind entschieden vorzuziehen. Wenn zum Beispiel gefragt wird: „Waren Sie innerhalb der letzten 10 Jahre krank?“, birgt dies das Risiko, eine kleine Erkältung zu vergessen. Wird aber explizit nach den gravierenden Krankheitsbildern gefragt: „Haben Sie innerhalb der letzten zehn Jahre an einer Erkrankung des Verdauungssystems, wie zum Beispiel…. gelitten?“, kannst Du eindeutig darauf antworten.

Darüber hinaus variiert der Zeitraum, zu dem die Gesundheitsfragen gestellt werden, zwischen fünf und zehn Jahren, was natürlich einen enormen Unterschied ausmacht. Bei einer kürzeren Betrachtung hast Du auch die Möglichkeit, nach einer schweren Erkrankung und deren vollständiger Heilung in den Genuss einer günstigen Risikolebensversicherung zu kommen.

Die Gesundheitsfragen sind in jedem Fall wahrheitsgemäß und vollständig zu beantworten. Du gehst sonst das Risiko ein, den wertvollen Versicherungsschutz zu verlieren, denn bei der Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht ist der Versicherer von der Leistung frei.

Um ganz sicher zu gehen, empfehlen sich Risikovoranfragen, die anonym unter Darstellung Deines Gesundheitszustandes gestellt werden. Damit umgehst Du die Gefahr, von einer Versicherungsgesellschaft abgelehnt zu werden. Die Frage nach einer Ablehnung wird in jedem Antrag auf Risikolebensversicherung gestellt und verschlechtert bei positiver Antwort die Chancen auf den Versicherungsschutz.

Alternativen zur Gesundheitsprüfung

Solltest Du gar keine Möglichkeit haben, eine Risikolebensversicherung abschließen zu können, stehen Dir zumindest einige Kompromisse offen:

  • Hinterbliebenenschutz in der Altersversorgung

Im Rahmen einer kapitalbildenden oder fondsgebundenen Lebens- oder Rentenversicherung kannst Du zumindest einen gewissen Schutz für den Todesfall organisieren. Da der Versicherer hier höhere Beiträge erhält, sind die Annahmerichtlinien unter Umständen nicht so streng. In einigen Fällen wird nur nach einer überschaubaren Anzahl von Vorerkrankungen gefragt.

  • Sterbegeldversicherung

Diese Variante ist bis zu einer bestimmten Höhe auch ohne Gesundheitsfragen möglich, um zumindest die Bestattungskosten abzufangen.

In beiden Fällen wird eine Karenzzeit zwischen 12 Monaten und drei Jahren vereinbart, während der im Todesfall nur die eingezahlten Beiträge zurückerstattet werden.

Grundsätzlich gibt es diese Möglichkeit der Todesfallabsicherung nicht mehr, zu groß sind die Risiken für den Versicherer. Im Zweifelsfall empfehlen sich Risikovorabfragen bei verschiedenen Versicherern, um die Möglichkeit einer Risikolebensversicherung bei Deinem konkreten Gesundheitszustand zu eruieren. Ob ein Risikozuschlag oder der Ausschluss bestimmter Krankheiten in IDeinemFall sinnvoll ist, hängt immer vom persönlichen Bedarf ab. Als Alternativen kämen nur kapitalbildende oder fondsgebundene Altersversorgungsprodukte oder eine Sterbegeldabsicherung infrage. In jedem Fall solltest Du alle Gesundheitsfragen korrekt und vollständig beantworten, um den Versicherungsschutz nicht zu riskieren.

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